Doping im Tischtennis

Doping ist im Tischtennis eigentlich kein Thema, da vorsätzliches Doping dem Sportler wenig bringt. Der Sport ist hinsichtlich der Ansprüche an Reaktion, Schnellkraft und Ausdauer einfach zu vielseitig, als ob Doping da helfen könnte. Insbesondere entscheidet beim Tischtennis immer noch Technik, Spieltaktik und Psychologie über Sieg und Niederlage. Dies ist auch der Grund, warum man bisher sehr wenig bis kaum von Dopingfällen gehört hat. Natürlich treffen die Anti-Doping-Maßnahmen nur Spitzensportler. Denn wer sich auf höchster deutscher Ebene oder auch international messen will, muss sich auf Doping-Kontrollen einstellen. Die betroffenen Sportler werden sicherlich – wie auch in anderen Sportarten – von erfahrenen Ärzten beraten, um eine unbeabsichtigte Einnahme von verbotenen Substanzen durch Nahrung, Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente zu vermeiden.

Anti-Doping-KontrolleNatürlich hat auch der Deutschen Tischtennis-Bund seine Ordnungen und Satzungen entsprechend angepasst und hat sich satzungsgemäß gegen das Doping ausgesprochen. Die Anti-Doping-Bestimmungen richten sich nach der Anti-Doping-Ordnung des DTTB sowie dem NADA-Code. Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) ist die für die Dopingbekämpfung in Deutschland zuständig und setzt die Vorgaben des World-Anti-Doping Code der Welt Anti-Doping Agentur (WADA) national um. Doch was versteht man eigentlich unter Doping. Hier haben sich die Definitionen im Laufe der Zeit verändert.

Doping-Definitionen im Wandel:

1952 DSB:
„ Die Einnahme eines jeden Medikaments – ob es wirksam ist oder nicht – mit der Absicht der Leistungssteigerung während des Wettkampfes ist als Doping zu bezeichnen.“

1963 Europarat:
„ Doping ist die Verabreichung oder der Gebrauch körperfremder Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in abnormaler Form oder auf abnormalem Weg an gesunde Personen mit dem einzigen Ziel, der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung im Wettkampf“

1967 IOC:
„ Doping besteht aus:

  1. der Verwendung von Substanzen aus den verbotenen pharmakologischen Wirkstoffgruppen und/oder
  2. der Anwendung verbotener Methoden“

1999 IOC:
„ Als Doping gilt:

  1. Die Anwendung eines Hilfsmittels (Wirkstoff oder Methode), das potentiell schädlich für die Gesundheit von Sportlern/Sportlerinnen ist und/oder deren Leistung steigern kann, oder
  2. die Existenz eines verbotenen Wirkstoffes im Körper eines Sportlers/ einer Sportlerin oder der Nachweis der Anwendung eines verbotenen Wirkstoffs oder einer verbotenen Methode.“

2003 WADA:
„ Artikel 1: Definition des Begriffs Doping als das Vorliegen eines oder mehrerer der nachfolgend in Artikel 2.1 bis 2.8 festgelegten Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen

Artikel 2: Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen

  • 2.1 Vorhandensein eines verbotenen Wirkstoffs, seiner Metaboliten oder Marker in den Körpergewebs- oder –flüssigkeitsproben eines Athleten
  • 2.2 Anwendung oder der Versuch der Anwendung eines verbotenen Wirkstoffs/Methode
  • 2.3 Weigerung/Unterlassen/Versuch des Entziehens einer angekündigten Probeentnahme
  • 2.4 Verstoß gegen Vorschriften über die Verfügbarkeit des Athleten für Trainingskontrollen
  • 2.5 (Versuchte) Unzulässige Einflußnahme auf einen Teil des Dopingkontrollverfahrens
  • 2.6 Besitz verbotener Wirkstoffe oder Methoden
  • 2.7 Handeln mit verbotenen Wirkstoffen oder Methoden
  • 2.8 Beihilfe, Unterstützung, Anleitung, Anstiftung oder Verschleierung bei einem Verstoß“

Was verführt einen Sportler zum Doping?

Geschieht Doping im Breitensport eher unbewusst (z.B. Asthmaspray bei einem Asthmakranken) so gibt es im Leistungssport verschiedene Ansätze, die für den Sportler interessant sein könnten. So stehen Sportler anderer Sportarten bei denen Kraft und Ausdauer im Vordergrund stehen (z.B. Radsport, Leichtathletik, Schwimmen, etc.) unter einem außerordentlichen Leistungsdruck. Um in der Weltspitze bestehen zu können, die Leistungsansprüche von Funktionären, Trainern, Managern, Sponsoren und Medien erfüllen zu können, stehen die Sportler in einem enormen Erfolgsdruck. Und ohne Erfolg ist im Radsport die berufliche Existenz und in anderen Sportarten die Sportförderung durch den DSOB gefährdet. Und der sportliche Ruhm sichert durch Werbeveträge, etc. schließlich die Existenz! Wenn man verletzt ist will man ggf. die Rekonvaleszenz beschleunigen, um nach einer Verletzung schneller wieder fit zu werden. Zum Glück kommen diese Überlegungen durch die eingangs geschilderten Faktoren im Tischtennis nicht in Betracht.

Dopingmöglichkeiten

Im Sport gibt es je nach Sportart unterschiedlich interessante Dopingmöglichkeiten. So sind u.a. folgende Dopingarten verboten:

  • Betablocker (Fördern Konzentration und innere Ruhe)
  • Alkohol -im Wettkampf (z.B. beimMotorsport oder Schießsport, um eine ruhigere Hand zu bekommen)
  • Glucokortikoide (Erhöhung der Ausdauerleistungsfähigkeit durch Erhöhung der max. Sauerstoffaufnahme)
    • Fördern die Neubildung von Blutzucker aus Eiweiß
    • Hemmung entzündlicher Prozesse
    • Psychotrope, euphorisierende Wirkung
      • Gefahr:
        • Cushing-Syndrom (körperliche Veränderungen, die durch einen hohen Cortisolspiegel)
        • Verzögerte Wundheilung
        • Wachstumsstörungen
        • Förderung von Osteoporose, Diabetes, Bluthochdruck und Stammfettsucht
        • Veränderungen der Psyche, Depression
  • Cannabinoide (THC)
    • Gesteigerte Wahrnehmung
    • Erhöhter Spannungs- und Erregungszustand
    • Kritikloser gegenüber Gefahren
      • Gefahr:
        • Konjunktivitis, Bronchitis
        • Ataxie, Zittern
        • Vermehrtes Durstgefühl
        • Persönlichkeitsverfall
        • „Einstiegsdroge“
  • Stimulantien (Amphetamine, Kokain)
    • zentrale Stimulation
    • Ermüdungsgefühl verringert sich
    • Selbstvertrauen steigt
    • Konzentrationsvermögen steigt
      • Gefahr:
        • Schwindel
        • Reizbarkeit, Nervosität, Schlafstörungen
        • Blutdrucksteigerung
        • Magersucht
        • Sucht (physisch und psychisch)
        • Persönlichkeitsveränderungen
  • Narkotica (Morphine, Heroin) Andere Analgetica (Schmerzmittel sind erlaubt)
    • Suchtgefahr!
  • Anabolika (Derivate des männlichen Geschlechtshormons Testosteron zur Verbesserung der Kraft und Schnellkraft) bewirken:
    • Zunahme der roten Blutkörperchen
    • Beschleunigen den Aufbau der Muskulatur
      • Gefahr:
        • Sie senken das HDL-Cholesterin (gute Fettstoffwechselwerte)
        • Herzinfarktrisiko steigt
        • Schädigung von Herz, Hoden, Leberzellen
        • Akne
        • psychische Störungen
        • Vorzeitiger Verschluß der Wachstumsfugen
        • Vermännlichung
  • Hormone (sind immer im Körper vorhanden); hierzu gehören:
    • Erythropoetin (EPO)
    • Wachstumshormon (HGH)
    • Somatotropin (steuert Längenwachstum; führt zu Mißbildungen)
    • Corticotropine (ACTH) (regt die Nebennierenrinde an; fördert die Cortisonproduktion; erhöht Infektanfälligkeit)
  • Beta-2-Agonisten (Salbutamol, Clenbuterol)

    Bei systemischer Gabe haben diese anabole Effekte. Lungengesunde haben keinen leistungssteigerndern Effekt. Diese werden als „Asthmasprays“ zur Behandlung von obstruktiven Lungenerkrankungen, allergischem oder Anstrengungsasthma eingesetzt. Hierzu ist eine Ausnahmeregelung erforderlich.

    • Gefahr:
      • Zittern, Nervosität, Schlafstörungen
      • Hypertonie, Tachycardie
      • Kopfschmerzen
      • Fieber
  • Antiöstrogene („Gegenmittel“ bei Anabolikamißbrauch; verhindern Gynäkomastie)
    • Aromatasehemmer (Anastrozol, Testolacton, Formestan)
    • Selektive Östrogen-Rezeptoren-Modulatoren (Raloxifen, Tamoxifen)
    • Andere Substanzen (Clonifen, Cyclofenil)
      • Gefahr:
        • führen zu Amenorrhö und Unfruchtbarkeit
  • Doping-Substanzen zur Verbesserung des Sauerstoff-Angebots und -Transports (Erhöhung der Ausdauerleistungsfähigkeit durch Erhöhung der max. Sauerstoffaufnahme)
    • Bluttransfusionen (Eigenblut, Fremdblut)
    • Erythropoetin (EPO)
    • Künstliche Sauerstoffträger
      • Gefahr:
        • Allergische Reaktionen bis hin zum Schock
        • Hämolyse (Auflösung von Erythrozyten)
        • Steigerung des Hämatokrit und der Blutviskosität; damit seigt die Thrombemboliegefahr
        • Übertragung von Infektionskrankheiten (Hepatitis, HIV etc.)
  • Maskierungsmittel – Beeinträchtigung der Analyseverfahren durch
    • Diuretika
    • Epitestosteron
    • Plasmaexpander (HES)
    • Probenecid
    • Finasterid
  • Sonderfall Nahrungsergänzungsmittel

    Meist synthetisch (chemisch) hergestellt. Nährstoffe wie Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe sind in konzentrierter Form implementiert. Es gelten hier die Regelungen des Lebensmittelgesetzes. Physiologische Wirkung oder therapeutischer Nutzen muss nicht nachgewiesen werden. Ungesundes Ernährungsverhalten wird verfestigt. Es besteht zwar eine Kennzeichnungspflicht. Zunehmend werden aber falsche Angaben über Inhaltsstoffe abgedruckt. Wenn Nahrungsergänzungsmittel schon benutzt werden, dann sollten Präparate aus der „Roten Liste“ (Medikamentenverzeichnis) verwendet werden. Zugelassene Inhaltsstoffe:

    • Vitamine und Provitamine
    • Mengen- und Spurenelemente
    • Vitaminoide
    • Fettsäuren und Phospholipide
    • Aminosäuren und Peptide
    • Kohlenhydrate
    • sekundäre Pflanzenstoffe
    • Pflanzenextrakte und tierische Produkte
    • Sonstige

Dopingprävention

Zur Vermeidung der schwerwiegenden Folgen gilt es Prävention auf 2 Ebenen zu praktizieren:

  • personelle Ebene (Verhaltensprävention)
  • strukturelle Ebene (Verhältnisprävention)

Natürlich muss auch die Primärprävention im Vordergrund stehen:

  • Vermittlung von Information
  • Förderung von Lebenskompetenz und Eigenverantwortlichkeit
  • Lebenswelt- und Problemnähe
  • Partizipation der Zielgruppen
  • Vermittlung positiver Botschaften
  • Arbeit mit positiven Leitbildern

Was ist zu tun?

Wegen der weitreichenden gesundheitlichen Folgen gilt es die Sportler und alle mit dem Sport im zusammenhängenden Institutionen genauestens zu informieren. Dies ist möglich mit:

  • Aufklärung der Sportler
  • „Erziehung“ der Erziehenden
  • Mobilisierung der öffentlichen Meinung
  • Sensibilisierung der Medien
  • Schaffen von Vorbildern
  • Ausweitung der Kontrollen
  • Lücken im System schließen
  • Konsequente Bestrafung

Für eine Gesundheit bis ins hohe Alter sollten Sie also das Doping nicht praktizieren. Im Tischtennis macht es eh keinen Sinn. Und das Bierchen nach dem Spiel bereitet uns eh keine Schwierigkeiten.

Quellen:
R.K. Müller Doping – Methoden, Wirkungen, Kontrolle 2004
T. Wörz et all Doping – Aufklärung und Maßnahmen der Prävention 2007
M. Sörös Sp(r)itzenleistungen 2008
A. Singler Doping im Spitzensport 2006
K. Feiden Doping im Sport Wer-Womit-Warum 2002
A. Wollin Doping Der Drang zum Betrug 2007
Fachvortrag von Dr. Martin Deffner beim BTTV-Kongress 2009

Über BTTV

BTTV steht als Synonym für den Webmaster und Autor von BTTV - Tischtennis Kreis Hassberge: Bernhard Süppel. Dieser ist seit Juli 2000 Kreisvorsitzender im Tischtennis Landkreis Hassberge und hat diese Seite als Webarchiv für den Tischtennissport im Landkreis aufgebaut. Nachdem die offizielle Webseite des Kreisverbands zum BTTV umgezogen ist, verbleibt hier das Tischtennisarchiv des Kreises und die Seite wird sich zu einem Tischtennisblog wandeln. Mit Berichten über Material, Tischtennisregeln, zum Tischtennissport, etc. informiert Sie der Webmaster über interessante Dinge rund um den schnellste Ballsportart der Welt. Sie finden den Autor nun auch bei Google+.

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