Tischtennis Mädchen-Training

Tischtennis ist eine Sportart ohne harten Körpereinsatz und müsste daher doch Mädchen scharen weise zum Training und Wettkampf locken. Doch die Realität sieht leider anders aus! Verläuft sich ein Mädchen zum Tischtennistraining, so wird die Integration in das Jugendtraining schwierig. Denn Jungen und Mädchen haben andere Interessen! Während sich Mädchen gerne zunächst auf die Bank setzen und sich unterhalten, stürmen Jungen in die Halle und wollen sich austoben. Sie wünschen sich Aufwärmspiele oder wollen gleich die Platten aufbauen und Tischtennis spielen. Jungen sind weniger anspruchsvoll und freuen sich auch über freies Spiel. Die Trainerpersönlichkeit spielt eine eher untergeordnete Rolle und wird akzeptiert solange er den Jungs im Spiel überlegen ist.

Mädchen dagegen sind anspruchsvoller, wünschen sich ein attraktives und abwechslungsreiches Programm, sind an Technikerklärungen interessiert und meiden Trainingswettkämpfe. Der Trainer muss – solange er die Technik gut vermitteln kann – nicht der beste Spieler sein. Er muss auch als Person einfach sympathisch sein, als Vertrauensperson akzeptiert werden und ein gutes Verhältnis zu den Mädchen aufbauen können. Durch die unterschiedlichen Interessen sind gemischte Trainingsgruppen meist nicht von Erfolg gekrönt. Vereine mit reinem Mädchentraining können aber oft schnelle Erfolge vorweisen. Wie bekommt man daher Mädchen zum Tischtennissport und was muss man im Training verändern?

Kleine Spiele

Kleine Spiele sind im Mädchentraining wichtig und gehören grundsätzlich an den Beginn der Trainingseinheit. Hier geht es insbesondere u.a. darum die Mädchen spielerisch zu einer verschworenen Einheit zu formieren. Der für den Hamburger TTV tätige Lehrreferent Christopher Dohrn empfiehlt hierzu in Ausgabe Nr. 9 der Zeitschrift tischtennis folgende Spiele:

  • Zeitungsschlagen
    Ein Mädchen steht hier mit einer gefalteten Zeitung in der Mitte der anderen. Es wird ein Name gerufen und das Mädchen mit der Zeitung muss die gerufene Person „abklatschen“ um aus der Mitte zu kommen.
  • Gruppensortierung
    Alle Mädchen stehen auf einer Bank. Es gilt dann z.B. nach Alter, Größe, Namen etc. zu sortieren, ohne dass die Bank verlassen wird.
  • Löwenwecken
    Zwei Teams versuchen sich ohne Anfassen zum Lachen zu bringen.
  • Mattenklatschen
    Eine Weichbodenmatte wird von zwei Teams durch Aufstellen und Umfallen lassen quer durch die Halle transportiert.
  • Staffelspiele
    Zwei Teams laufen mit Sprints, Sidesteps, etc. um die Wette.

Hier kann man unzählige Varianten einbringen und auch gerne mal schauen wie es ankommt. Nach ca. 45 Minuten folgt dann eine kurze Pause und man kann die Tischtennistische aufbauen.

Ausführliche Technikerklärung

Der Trainer sollte deutlich mehr Zeit für die Technikerklärung einplanen. Denn Mädchen sind wissbegieriger und hören in der Regel länger und intensiver zu. Ob mit den Einsatz von Tischtennisvideos zur Erklärung von Schlagarten und Spieltechniken, ausführlichen Erklärungen am Tisch oder weiteren Hilfsmitteln zur Hinführung zum Technikerwerb, alles sollte ausprobiert werden, um das Training für Mädchen interessant zu machen. Auch hierzu hat Christopher Dohrn interessante Tipps:

  • Vorhand-Kontern
    So kann man zum Beispiel mit einem Blatt und Stift Balltreffpunkt und Bewegungsrichtung zeichnen lassen.
  • Beläge werfen, Frisbee spielen
    Zum Erlernen des Rückhand-Topsins kann man z.B. Beläge oder eine Frisbee-Scheibe werfen lassen.
  • Luftballon prellen oder anschneiden
    Man versucht einen Luftballon mit dem Tischtennisschläger an zuschneiden. Dabei kann man schnell verdeutlichen, dass dies mit einem frontalen Treffpunkt nicht möglich ist.
  • Dosen oder Plastikbecher abschießenIndiaca-Ball
    Für die Platzierung des Rückhandballs werden Dosen oder Plastikbecher auf der Rückhandseite aufgestellt. Nach zwei bis drei Vorhandkonterbällen versucht man diese zu treffen.
  • Indiaca
    Die Mädchen spielen Indiaca (Indiaca-Ball siehe Bild rechts) und lernen damit spielerisch ihre Beinarbeit zu verbessern.

Wettkampf ohne Wettkampf

Mädchen spielen ungern gegen die beste Freundin um diese zu besiegen. Daher gilt es Wettkampfformen zu finden, in denen in der Gruppe gegeneinander gespielt wird. So kann man z.B. Monopoly-Geld je nach Höhe des Satzgewinns verteilen. Im Spiel Jeder gegen Jeden gewinnt dann die Mädchengruppe mit dem höchsten Geldbetrag. Oder es wird Mensch ärgere dich nicht gespielt. Hat ein Mädchen drei Punkte am Stück erspielt, so darf diese für ihre Gruppe würfeln. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass es den Mädchen Spaß macht!

Mädchen als Hilfstrainerinnen

Im Gegensatz zu Jungen sind Mädchen eher daran interessiert als Hilfstrainerin mitzuwirken. Sie beweisen hier viel eher soziale Kompetenz! Nutzen Sie dies und beziehen Sie die Mädchen als Zuspielerin am Balleimer ein und führen sie diese über den Job des Hilfstrainers, Co-Trainers zum Trainer hin. Gerade in der Kintertrainer-Ausbildung fit for kids werden sie über die wertvolle Hilfe der Mädchen im Training erstaunt sein!

Zum Abschluss des Trainings bietet sich dann auch Rundlauf an. Der Trainer fungiert als Zuspieler, wobei die Mädchen verschiedene Parcours / Hindernisse durchlaufen / umlaufen müssen. Bei einem Fehler verliert das Mädchen ein Leben, so dass es bis zum Schluss motiviert mitspielt. Bei dieser Vorstellung von Trainingstipps geht es insbesondere um das Mädchen-Training jüngerer Mädchen. Im Alter von 11 bis 12 Jahren sollte man die Mädchen dann auch in gemischte Gruppen (Breitensport oder Leistungssport) überführen. Den Zeitpunkt sollten dabei die Mädchen selbst bestimmen. Da sich bei Mädchen das Interesse für das andere Geschlecht meist früher als bei den Jungen ausbildet, erledigt sich diese Überführung meist von selbst. Durch dieses Trainingskonzept und einen Trainer als Vertrauensperson führt dies im Idealfall dazu, dass Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren nicht abwandern und nicht nur wegen der besten Freundin dem Tischtennissport erhalten bleiben. Mit Mädchen im Sportverein bleiben sicher auch die Jungen länger erhalten. 😉

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Über BTTV

BTTV steht als Synonym für den Webmaster und Autor von BTTV – Tischtennis Kreis Hassberge: Bernhard Süppel. Dieser ist seit Juli 2000 Kreisvorsitzender im Tischtennis Landkreis Hassberge und hat diese Seite als Webarchiv für den Tischtennissport im Landkreis aufgebaut. Nachdem die offizielle Webseite des Kreisverbands zum BTTV umgezogen ist, verbleibt hier das Tischtennisarchiv des Kreises und die Seite wird sich zu einem Tischtennisblog wandeln. Mit Berichten über Material, Tischtennisregeln, zum Tischtennissport, etc. informiert Sie der Webmaster über interessante Dinge rund um den schnellste Ballsportart der Welt. Sie finden den Autor nun auch bei Google+.

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