Tischtennis Belagkontrolle mit Kontrollgerät MiniRAE-Lite

Während der DTTB noch auf die enez-Box setzt, so hat dir ITTF nun einen einen Grenzwert für die Verdunstung von VOC’s (flüchtigen organischen Verbindungen) festgelegt und setzt bei der Belagkontrolle im Tischtennis nun auf das Kontrollgerät MiniRAE-Lite. So konnten durch die enez-Box die durch das Frischkleben hervorgerufenen gesundheitsschädlichen VOC’s weitestgehend aus unserem Sport verbannt werden. Doch Tischtennis wäre nicht Tischtennis, wenn nicht findige Spieler und Materialentwickler Umgehungslösungen gefunden hätten.

So hielt nach dem Frischklebeverbot eine neue Generation von Tischtennisbelag-Beschleunigern Einzug. Zunächst noch geduldet, waren es die anfangs verkauften Tuner und Booster. Nach deren Verbot hielten Lampenöl und Grillanzünder Einzug in den Chemiebaukasten eines Tischtennisspielers. Aber auch Öle und andere beschleunigende Mittel verschafften den früheren Frischklebern wieder zu mehr Tempo und Spin. Nachdem diese Mittel mit dem enez-Gerät nicht nachweisbar waren, versuchte man diese neuen eigentlich unerwünschten Auswüchse durch das Messen der Belagdicke einzudämmen. Während sich die Spitzensportler wohl durch häufiges Testen an die maximale Belagdicke herangetunt hatten, so ist im Amateursport durch den Mangel an Kontrollen das Tor zur Manipulation weit geöffnet.

MiniRAE Lite - Messung am Tischtennisschläger - Foto von ittf.com

Foto von ittf.com

Dies merkte die ITTF und hat nun durch das neue Kontrollgerät MiniRAE-Lite für Abhilfe gesorgt. Mit diesem Gerät ist es nun möglich einen von der ITTF selbst benannten Grenzwert von 4 ppm zu kontrollieren. Dieser Grenzwert soll im Jahr 2010 auf 3 ppm und im Jahr 2012 auf 2 ppm gesenkt werden. Spannend dürfte sein, ob hier die Belaghersteller mithalten können. Denn bislang klebten diese aus Mangel an bisherigen Alternativen ihre Beläge mit VOC-haltigen Klebern auf die Schwämme. Es wurde daher empfohlen den Belag schon vor dem Aufkleben auf das Holz gründlich auslüften zu lassen. Doch kann man damit die zukünftigen Grenzwerte überhaupt noch einhalten?

Grenzwert von 4 ppm und Handhabung des MiniRAE-Lite

Was bedeutet aber eigentlich der Grenzwert von 4 ppm? Der Begriff ppm steht für „parts per million“. Mit dem Grenzwert wurden also 4 „Teile“ pro Million festgelegt, mit dem die Konzentration bzw. Stoffmengenanteil von VOC’s bestimmt werden. Das Gerät kann also keine giftigen Stoffe ermitteln. Messtechniker werden jetzt schnell feststellen, dass die Messung wenig aussagekräftig ist, da die Messung vom Messvolumen, der gemessenen Zeit und Temperatur abhängig ist. Um vergleichbare Messungen zu haben, gilt es also diese Parameter festzulegen.

Die Handhabung des Geräts ist für den Schiedsrichter denkbar einfach. Zunächst wird mit dem Gerät die VOC-Belastung der Umgebung gemessen. Dann wird eine runde Metallkappe, die mit zwei Schläuchen mit dem Messgerät verbunden ist, für 20 Sekunden auf den Belag gelegt. Die Differenz der beiden gemessenen Werde ergibt dann den Messwert. Das MiniRAE-Lite ist ein „Foto-Ionisationsgasdetektor“. Dabei spaltet die Energie einer UV-Lampe Elektronen aus flüchtigen organischen Molekülen (Ionisation), bestimmt die Anzahl mit einer Genauigkeit von 10% und rechnet diese  in den ppm-Wert um. Bereits nach drei Sekunden liefert dieses Gerät einen verlässlichen Wert. Nach 20 Sekunden ist dieser als durchaus stabil zu bezeichnen.

MiniRAE-Lite - Foto von RAE Systems

Foto von raesystems.de

Doch ist der Grenzwert von 4 ppm sowie die folgenden Grenzwertverschärfungen ausreichend für unseren Sport? Können damit tatsächlich Belag-Manipulationen eindeutig nachgewiesen werden? Hersteller sind der Auffassung, dass man für das Aufkleben der Beläge auf den Schwamm auf gesundheitsschädliche VOC-Haltige Kleber angewiesen ist und ein Grenzwert von 0 ppm nie erreicht werden könne. Herkömmliche Beläge – ohne eingebauten Frischklebeeffekt – weisen nach einem Tag Auslüften – jedoch nur noch einen Wert von 0,5 ppm auf. Und auch Experten meinen, dass man mit einem Wert von 0,2 ppm durchaus einen Tuningeffekt erreichen könne. Ist also dieser neue Grenzwert schon wieder ein „Papiertiger“?

Misst man mit dem neuen Messgerät z.B. die Ausdünstungen eines Filzstiftes oder einer Tankstelle, so kommen schnell einige 100 ppm zusammen. Kann man bei einem Wert von 4 ppm überhaupt noch von Gesundheitsschädigung für den Sportler sprechen?

Herstellerangaben

Der MiniRAE Lite ist das zuverlässigste tragbare Überwachungsgerät für flüchtige organische Verbindungen (VOC) auf dem Markt. Der breite Messbereich des Photoionisationsdetektors (PID) von 0 bis 5.000 ppm macht ihn zum idealen Messgerät für verschiedenste Einsatzbereiche, vom Umweltschutz bis hin zum Bauwesen.

Mit dem Gerät können immerhin 95% aller flüchtigen organischen Verbindungen gemessen werden! Allerdings kann das Gerät nur einen Summenangabe liefern. Welcher Stoff und in welcher Konzentration genau vorliegt kann nicht ermittelt werden.

Belaghersteller und Genehmigungsverfahren

Mit dem ersten Einsatz dieses Gerätes wurden nun aber auch schon Beläge aus dem Verkehr gezogen, die trotz glaubhafter Versicherung der Spieler und gutem Auslüften der Beläge den Grenzwert von 4 ppm überschritten haben. Dies lässt vermuten, dass die Belaghersteller bei der Produktion neben den VOC-haltigen Klebern auch Tuner, etc. einsetzten. Denn wie sollte es sonst möglich sein, dass Beläge neuester Generation immer schneller werden? Bislang wurde von der ITTF nur der Obergummi des Belags zugelassen. In Anbetracht des neuen Messverfahrens macht es nun aber durchaus Sinn die Kombination des Obergummis zusammen mit dem Schwamm zu kontrollieren. Überschreitet dieser die Grenzwerte, so ist er nicht mehr zugelassen. Dies nimmt die Verantwortung von den Sportlern, die gutgläubig Beläge kaufen, ohne zu wissen, ob sie damit gegen die Tischtennis-Regeln verstoßen.

Ein Weg in die richtige Richtung?

Auch wenn mit diesem neuen Messgerät weiterhin Fragen offen bleiben, so könnte es durchaus ein wichtiger Schritt für einen sauberen Tischtennissport sein. Vermutlich aber nicht der letzte, da es ja findige Spieler und Entwickler gibt, die das System wieder austricksen werden.

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BTTV steht als Synonym für den Webmaster und Autor von BTTV – Tischtennis Kreis Hassberge: Bernhard Süppel. Dieser ist seit Juli 2000 Kreisvorsitzender im Tischtennis Landkreis Hassberge und hat diese Seite als Webarchiv für den Tischtennissport im Landkreis aufgebaut. Nachdem die offizielle Webseite des Kreisverbands zum BTTV umgezogen ist, verbleibt hier das Tischtennisarchiv des Kreises und die Seite wird sich zu einem Tischtennisblog wandeln. Mit Berichten über Material, Tischtennisregeln, zum Tischtennissport, etc. informiert Sie der Webmaster über interessante Dinge rund um den schnellste Ballsportart der Welt. Sie finden den Autor nun auch bei Google+.

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